Sehbehinderte auf den Spuren der Geschichte

Heute fuhr eine Gruppe des Blinden- und Sehbehindertenverbandes nach Erfurt. Am Domplatz befindet sich die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstr. 37a. Sie ist Teil der Stiftung Ettersberg. Unter dem Motto, Diktatur verstehen – Demokratie erleben, erfährt man deutsche Geschichte zum Anfassen.

Dieses alte Gefängnis wurde von 1952 bis 1989 von der Stasi als Untersuchungshaftanstalt genutzt. Sie war Teil des Überwachungssystems in der DDR, Mittel zum Machterhalt der SED.

 Die Einsitzenden, vorwiegend Männer, aber auch Frauen, wurden „zur Klärung eines Sachverhalts“ zu Hause oder von der Arbeit abgeholt und hierhergebracht. Was man ihnen vorwarf, erfuhren sie erst später. Mitarbeiter der Staatssicherheit verhörten sie tage- oder wochenlang, um ein Geständnis zu erlangen. Dabei nutzten sie die vielen Informationen ihrer inoffiziellen und offiziellen Mitarbeiter.

 In den Einzel- oder Mehrfachzellen wurde der Mensch zu einer Nummer. Die Haftbedingungen waren würdelos. Die Einsitzenden sollten ihre aussichtslose Lage erkennen. Nach durchschnittlich 3 Monaten erfolgte eine Anklage im danebenliegenden Gericht. Die Urteile standen meistens schon vorher fest. Als Flüchtender, Ausreisewilliger oder Kritiker des SED Staates war man Feind des Sozialismus.

Die Darstellung dieser dunklen Seite ist hier nachvollziehbar. Der Blick in den vergitterten Flur und in die vielfach verschlossenen Zellen lässt uns schaudern. Auch für den, der damals keine Berührung damit hatte, ist die Sicht darauf und die Lehre daraus wichtig. Demokratie ist nicht leicht, aber menschenfreundlicher.

Eigens für uns Sehbehinderte führte Frau Mayer uns durch das Haus. Besonders für blinde Menschen waren die Erklärungen „anschaulich“ und nachvollziehbar. Auch das Tastmodell in der Eingangshalle half dabei. Danke für die lehrreiche Führung.

Nach dem Besuch des Museums erlebten wir das Treiben in Erfurts Straßen. Im „Pavarotti“ ließen wir uns zum Mittag verwöhnen. Dann fuhren wir wieder mit der Bahn nach Sondershausen und weiter auf die Heimatdörfer.